Nach dem 3D-Druck des Vereinsheims in Capelle arbeitet das Büro Steinhoff Architekten an einer Grundschule, die mehrere innovative Bauverfahren kombiniert. Das Projekt hat Modellcharakter.
Das im vergangenen Jahr eröffnete Vereinsheim des SC Capelle am Sportplatz hat weit über die Gemeindegrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt.
Grund dafür ist die innovative Entstehung im 3D-Druck-Verfahren. Architekt Lothar Steinhoff und Projektleiterin Daniela Kuropka vom Architekturbüro Steinhoff Architekten aus Capelle haben das Projekt und die Erstellung eines Mehrfamilienhauses in Lünen in den vergangenen Jahren intensiv begleitet.
Aktuell erstellt das Büro in enger Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig eine Machbarkeitsstudie für den Neubau einer Grundschule in Recke (Kreis Steinfurt). Das Besondere dort: Neben dem in Capelle und Lünen verwendeten 3D-Drucker sollen drei weitere bislang selten oder nie in der Praxis eingesetzte Techniken miteinander kombiniert werden.
Interesse des Ministeriums
Dazu zählen das sogenannte Shotcrete Printing (kontrollierte Zugabe von Druckluft aus einer Spritzbetondüse), der Holzrahmenbau und die moderne Variante der traditionellen Stampflehmtechnik, mit der Wände im Inneren des Baus digital erstellt werden können. Eine derartige angewendete Kombination der verschiedenen Techniken wäre weltweit bislang einmalig. „Es geht insgesamt um eine deutliche Reduzierung von Stahl, Beton und insgesamt auch CO2. So kann sich in Zukunft einiges verändern“, macht Lothar Steinhoff deutlich. Nicht nur mit gleich mehreren Hochschulen, die sehr an der praktischen Anwendung ihrer Forschung interessiert sind, sondern auch mit dem Bundesbauministerium führt das Architekturbüro aus dem kleinen Capelle regelmäßig Gespräche über den Fortgang ihres Projekts in Recke.
Experimentelles Bauen in der Praxis ist aber nach den Erfahrungen aus Capelle und Lünen für die Capeller Architekten kein Neuland mehr. Insgesamt
ist die Zahl der digital gebauten Gebäude in Deutschland noch einstellig, in gewisser Weise zählen Lothar Steinhoff und Daniela Kuropka damit zu den Vorreitern des Verfahrens der neuen Technologie. Deshalb sind ihre Bereichte von den tatsächlichen Baustellen auch bei Branchentreffen wie den Ulmer Betontagen sehr gefragt, wie die Architekten berichten.
Forschung läuft sehr intensiv
Für viele im Dorf und der ganzen Gemeinde dürfte die 3D-Technik, das SCC-Vereinsheim ist das erste in diesem Verfahren entstandene öffentliche Gebäude europaweit, völlig unbekannt gewesen sein. Doch für das Capeller Architekturbüro war das mit dem Drucker der süddeutschen Firma Peri entstandene Bauvorhaben die erste praktische Umsetzung eines Themas, das schon seit einigen Jahren im Blick ist.
Die Forschung zum 3D-Druck als zukunftsträchtiges und effizientes Bauverfahren läuft an verschiedenen Hochschulen auf Hochdruck. Das nächste Praxisprojekt, das in Capelle geplant wird und Interesse weit über den kleinsten Ortsteil der Gemeinde hinaus weckt, beschäftigt Daniela Kuropka derzeit intensiv. Im Team mit insgesamt 18 Mitarbeitern kümmert sie sich schwerpunktmäßig um die Umsetzung innovativer Bauprojekte mit alternativen Fertigungsmethoden.
Neues Projekt als Herausforderung
„60 Prozent der Gesamtkosten entstehen mittlerweile durch die erforderliche Gebäudetechnik. Durch neue Bestandteile wie die Lehmwände kann man diese Kosten womöglich limitieren, außerdem kann man den 3D-Betondruck für besondere Formen, bei der Grundschule in Recke etwa eine Art Fächer, nutzen“, schildert Daniela Kuropka. Die neue Baustelle in Recke bedeute in Zukunft aus ihrer Sicht „viel mehr Herausforderungen, weil alles ineinandergreifen muss.“ Wenn der Bau erfolgreich abgeschlossen werden sollte, wären in Zukunft auch standardisierte Modulbauten für Schulen denkbar.
Noch gibt es aber viele Fragen von allen Beteiligten an dem Schulprojekt, ähnlich wie vor dem Bau des Vereinsheims in Capelle. „Es lohnt sich, mutig zu sein“, ist Lothar Steinhoff nach dem Abschluss der beiden bisherigen Projekte jedenfalls überzeugt. Die Zukunft liege sicherlich auch in der nun erstmals geplanten Kombination verschiedener Techniken. Was im 3D-Druck-Verfahren entstehen kann, sehen die Besucher des SC Capelle mittlerweile regelmäßig.

